Techradar: MCP

Der Universalstecker zwischen KI und Ihrer Software

Zukünftig erscheint das Forum digital als Newsletter — und auch unser Techradar bekommt ein neues Gesicht: Statt viele Technologien im Überblick zu bewerten, widmen wir uns künftig in jedem Quartal einer Technologie in der Tiefe. Wir erklären, was sie kann, wie wir sie einschätzen und was sie für Sie als Kunde bedeuten kann. Den Anfang macht eine Technologie, die derzeit im Hintergrund die Spielregeln der digitalen Welt verändert: das Model Context Protocol, kurz MCP.


Was ist MCP?

In unseren letzten Ausgaben haben wir über KI-Agenten berichtet — Programme, die nicht nur Fragen beantworten, sondern selbständig Aufgaben erledigen. Damit ein solcher Agent etwas erledigen kann, muss er mit vorhandener Software arbeiten können: einen Termin eintragen, eine Bestellung auslösen, eine Auskunft aus einem Fachsystem holen. Genau dafür wurde MCP geschaffen: ein offener Standard, über den KI-Modelle mit beliebiger Software sprechen können.

Man kann sich MCP wie einen Universalstecker vorstellen — ähnlich wie USB-C bei Geräten: Früher brauchte jedes Gerät sein eigenes Kabel, heute passt ein Stecker für alles. Vor MCP musste für jede Verbindung zwischen einer KI und einem Programm eine eigene Schnittstelle gebaut werden. Mit MCP stellt ein Unternehmen seine Software einmal als sogenannten MCP-Server bereit — und jeder kompatible KI-Agent kann sie nutzen. Der Standard wurde Ende 2024 von Anthropic vorgestellt und ist inzwischen von allen großen Anbietern übernommen worden.

Ein Beispiel, das jeden betrifft: der Webshop
Wie schnell sich diese Entwicklung vollzieht, zeigt der Online-Handel. Immer häufiger recherchiert nicht mehr der Mensch selbst im Webshop, sondern beauftragt seinen KI-Assistenten: „Finde mir ein passendes Ersatzteil und bestelle es." Der „Kunde", der die Produktseiten liest, ist dann kein Mensch mit Browser mehr, sondern ein KI-Agent mit Einkaufsauftrag.

Die großen Shop-Plattformen haben darauf bereits reagiert: Bei Shopify ist seit Anfang 2026 für viele Shops standardmäßig ein MCP-Zugang aktiv, über den Agenten Produktkatalog, Preise und Bestellfunktionen nutzen können. Und Shopware — im deutschen Mittelstand weit verbreitet — hat im Sommer 2026 seinen Plattformkern vollständig über MCP steuerbar gemacht. Der Anbieter berichtet, dass sich der KI-getriebene Besucherverkehr auf seinen Shops innerhalb eines Jahres verfünfzehnfacht hat.

Interessant ist auch die Gegenrichtung: Amazon bietet für das eigentliche Einkaufen bislang keinen offiziellen MCP-Zugang an, sondern setzt auf eigene, geschlossene KI-Assistenten. Hier zeichnet sich eine Grundsatzfrage ab, die wir aus der IT-Geschichte kennen: offene Standards gegen geschlossene Ökosysteme. Wer als Anbieter für fremde KI-Agenten nicht erreichbar ist, überlässt dieses Spielfeld anderen — wer sich öffnet, gibt ein Stück Kontrolle über das Einkaufserlebnis ab.

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?
Die Frage, die sich daraus ergibt, geht weit über Webshops hinaus: Wenn Kunden zunehmend KI-Assistenten nutzen, um Informationen zu suchen, Angebote zu vergleichen oder Vorgänge anzustoßen — ist Ihr Angebot für diese Assistenten dann sichtbar und nutzbar? Ein MCP-Server ist gewissermaßen die Tür, durch die KI-Agenten Ihr Angebot betreten können. Und das Wichtige dabei: Sie bestimmen, wie weit diese Tür aufgeht. Ein MCP-Server legt genau fest, welche Informationen ein Agent sehen und welche Aktionen er auslösen darf — und welche nicht.

Wie wir MCP bei MSH einsetzen
Wir sammeln mit dieser Technologie bereits eigene Erfahrungen: Intern setzen wir MCP-Server für unsere Verwaltung ein und verbinden damit KI-Agenten mit unseren eigenen Fachanwendungen. So können Routineauskünfte und wiederkehrende Verwaltungsaufgaben von Agenten übernommen werden — unter denselben Regeln, die wir schon beim Einsatz von Coding Agents beschrieben haben: Die KI arbeitet zu, die Verantwortung und die Kontrolle bleiben beim Menschen.

Unsere Einordnung: Anfang
Wir stufen MCP im Techradar in die Kategorie „Anfang" ein: Wir erproben die Technologie aktiv im eigenen Haus. Der Standard ist jung, und manche Umsetzung — etwa bei den Shop-Systemen — ist noch als experimentell gekennzeichnet. Die Richtung aber ist eindeutig: MCP entwickelt sich zur gemeinsamen Sprache zwischen KI-Agenten und Software. Wer heute Software anbietet oder betreibt, sollte sich die Frage stellen, wie sein Angebot in dieser Sprache erreichbar sein wird.

Der Techradar dient nicht zuletzt auch dazu, unseren Kunden und Geschäftspartnern einen Überblick über die neuesten Technologietrends in unserer Branche zu geben. Im nächsten Quartal richten wir den Blick auf den nächsten Punkt auf dem Schirm.

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