TOPAS als Plattform

Modulare Workflow-Lösung für die Print-Produktion

Architektur, Module und Schnittstellen der Produktionssteuerung für Zeitungs- und Magazinverlage
Die Systemlandschaft in Verlagen ist über Jahre hinweg entstanden und entsprechend vielfältig: ein Redaktionssystem aus der einen Generation, ein Anzeigensystem aus der nächsten, dazu Produktionsleitsysteme der Druckerei, Preflight-Werkzeuge, Archive und E-Paper-Plattformen. Jede dieser Komponenten erfüllt ihre Aufgabe. Was es zusätzlich braucht, ist die Instanz, die sie zu einem durchgängigen Produktionsprozess verbindet – und die weiß, welche Seite welcher Ausgabe gerade wo steht.

Genau diese Rolle übernimmt TOPAS. Im September-Artikel zum Tech-Stack haben wir TOPAS, OPAL und TOPAS OM im Zusammenspiel vorgestellt. Dieser Beitrag schaut auf TOPAS selbst: auf die Architektur, die Modularität und vor allem auf die Schnittstellenebene, mit der sich die Plattform in bestehende Systemlandschaften einfügt.

TOPAS ist eine modulare Softwareplattform von MSH Medien System Haus für die Produktionssteuerung in der Zeitungs- und Magazinproduktion. Sie koordiniert Redaktion, Anzeigenabteilung, Druckvorstufe, Druckerei und externe Dienstleister entlang eines gemeinsamen Produktionsplans und ist in Verlagen in Deutschland, der Schweiz und Frankreich im Einsatz.


Vom Werkzeugkasten zur Plattform
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Der Unterschied zwischen einer Sammlung von Werkzeugen und einer Plattform liegt im gemeinsamen Datenmodell. TOPAS führt die Printproduktion auf eine durchgängige Planungsstruktur zurück: Produkte, Ausgaben, Bücher, Seiten, Teilseiten und die auf Teilseiten platzierten Elemente. Jedes angebundene System – Redaktion, Anzeigenverkauf, Druckerei – arbeitet auf genau dieser Struktur, statt eine eigene Interpretation davon zu pflegen.

Daraus folgt der zweite Architekturgrundsatz: Konfiguration statt Individualentwicklung. Unterschiedliche Titel, Produktionsmodelle und Hausstandards werden über Stammdaten und Konfiguration abgebildet, nicht über kundenspezifische Codezweige. Das hält Projekte kurz und Upgrades beherrschbar – TOPAS wird in einem monatlichen Release-Zyklus weiterentwickelt, aktuell in der Version Eris 26.10.

Der dritte Grundsatz ist die Modularität. Die fünf TOPAS-Module lassen sich einzeln oder im Verbund einsetzen, sodass Verlage schrittweise einsteigen können – etwa zunächst mit Planung und Tracking und später mit Anzeigen- und Output-Management.

Die fünf Module Überblick

  • T – Tracking: Produktionsstatus in Echtzeit über alle Seiten und Ausgaben hinweg, inklusive Änderungsmarkierung über TOPAS Notes.
  • O – Output Management: automatisierte, sichere Datenverteilung an Druckereien, E-Paper-Plattformen und Archive in unterschiedlichsten Formaten.
  • P – Planning: Planung von Ausgaben, Buchstruktur, Seiten, Seitendurchgängigkeiten und Farbigkeiten als Basis für alle nachgelagerten Prozesse.
  • A – Ad Management: durchgängige Anzeigenverwaltung und -produktion mit Anbindung an Bestandssysteme und Prüfworkflows.
  • S – Specials: Buchung, Freigabe und Erscheinungsplanung redaktioneller Sonderthemen mit kaufmännischer Transparenz.

Jedem dieser Module widmen wir ab Januar einen eigenen Beitrag. Hier geht es um das, was sie zusammenhält. ‍

Die Schnittstellenebene: Herzstück der Plattform
Eine Produktionssteuerung ist nur so gut wie ihre Anbindungen. TOPAS bringt rund 30 dokumentierte Schnittstellen mit, die sich in vier Gruppen ordnen lassen – überwiegend auf Basis etablierter Hersteller- und Branchenstandards statt proprietärer Einzellösungen.

  • ‍Redaktionssysteme
    Die Anbindung an Redaktionssysteme arbeitet bidirektional: TOPAS übergibt die Planungsstruktur an das Redaktionssystem, dort gestaltet die Redaktion, und die fertigen Seiten und Teilseiten laufen inklusive Statusinformationen zurück. Unterstützt werden unter anderem WoodWing, InterRed, Eidos Méthode und Aptoma Dr.Edition – bei letzterem einschließlich angebundener Bildkorrektur über Pixometry. ‍
  • Anzeigensysteme
    Auf der kaufmännischen Seite bildet die OASE-Anzeigensystemschnittstelle den gemeinsamen Nenner: Anbindungen wie Adflow, Printplus oder Verlagsmanager setzen auf diesem Format auf und werden über Mapping-Regeln auf die TOPAS-Strukturen abgebildet. Für SAP-Umgebungen kommuniziert TOPAS direkt mit dem SAP Werbemanagement (IS-M/AM) über die SAP-Schnittstelle IS-M/ITA und mehrere Webservices; die Anzeigen-PDFs laufen entkoppelt über einen Hotfolder, damit Auftragsdaten und Druckdaten unabhängig voneinander fließen. ‍
  • Druckerei und Produktionsleitsysteme
    Richtung Druckerei bedient TOPAS die Standards der jeweiligen Hersteller: MANROLAND PDX zur Übergabe von Druckprodukten und Produktionsläufen an den printnet Press Manager im PECOM-Umfeld, ABB PSI für die Produktionsstruktur und ABB PSL für die Rückmeldung der freigegebenen Produktionsmöglichkeiten einer Druckerei, das KBA PageListInterface sowie das Print Product Definition Interface für EAE-Systeme, das neben Planungsdaten auch Druckdaten im TIF-Format überträgt. Dazu kommen RIP-Anbindung und Druckseiten-Schnittstellen für die klassische Übergabe an die Vorstufe. ‍
  • PDF-Workflows, Preflight und Ausgabe
    Für den täglichen Datenfluss stehen Import- und Export-Schnittstellen für Anzeigen-PDFs, Teilseiten, komplette Ausgaben, Füller und Mappenanhänge bereit, überwiegend als überwachte Hotfolder mit Validierung. Preflight- und Korrekturwerkzeuge wie Asura werden je nach Umgebung über Hotfolder oder per REST-API eingebunden. Auf der Ausgabeseite verteilt TOPAS unter anderem per Webservice an Mantelportale und stellt Ausgabedaten über die DigDump-REST-Schnittstelle bedarfsgesteuert per HTTP bereit – ebenso wie die Sonderthemen-Schnittstelle, über die komplette Erscheinungsplanungen als REST-Aufruf angelegt, aktualisiert oder entfernt werden.

Die Mischung ist bewusst: etablierte Datei- und XML-Standards dort, wo die angebundenen Systeme sie erwarten, und REST-APIs dort, wo moderne Integrationen Geschwindigkeit und Nachvollziehbarkeit brauchen.

Betrieb, Skalierung und Ausfallsicherheit
TOPAS lässt sich On-Premises, als SaaS oder im MSH-Rechenzentrum betreiben; der Applikationsbetrieb reicht vom Eigenbetrieb durch den Verlag bis zum Full-Managed-Service durch MSH. Für den laufenden Betrieb bringt die Plattform eigene Werkzeuge mit.

  • Batchverwaltung: Massendatenprozesse laufen als geplante oder periodische Hintergrundjobs, typischerweise nachts oder am Wochenende, um Applikations- und Datenbankserver im Tagesgeschäft zu entlasten.
  • Monitoring-Plattform: Über Metriken, Prometheus und Grafana bietet TOPAS ein umfangreiches Monitoring für Systemnutzung, Schnittstellenüberwachung und die frühzeitige Analyse potenzieller Probleme.
  • Management-Konsole über JMX für Monitoring und Eingriffe im laufenden Betrieb.
  • Monatlicher Release-Zyklus mit dokumentierten Releasenotes je Version und Kunde.

Praxisbeispiel: TOPAS-Einführung bei der neuen Pressegesellschaft
Wie belastbar eine Plattform ist, zeigt sich im Rollout. Bei der Neuen Pressegesellschaft (NPG) wird TOPAS in mehreren Meilensteinen eingeführt – der erste Go-live erfolgte fünf Monate nach dem Kickoff.

Der zweite Meilenstein war ungleich umfangreicher: Nahezu die gesamte Systemlandschaft wurde umgestellt. Alle Stuttgarter Zeitungsprodukte und sämtliche Produkte des Schwarzwälder Boten laufen seitdem auf den NPG-Systemen. Gleich vier Umstellungen fielen dabei zusammen.

  • Anzeigensystem: Das Anzeigengeschäft läuft nun auf dem SAP-System der NPG – für Stuttgart ein neues SAP, für Oberndorf ein vollständig neues Anzeigensystem.
  • Planungssystem: In Oberndorf löste TOPAS die DIG Verlagsuite ab, den Vorgänger aus demselben Haus. Trotz verwandter Funktionslogik mussten sämtliche Prozesse und Arbeitsweisen auf das neue System übertragen werden.
  • Redaktionssystem: Mit dem Go-live wechselte die Redaktion von Eidos Méthode auf Aptoma Dr.Edition – als Big-Bang-Umstellung ohne Parallelbetrieb.
  • Layout: Parallel dazu entschied sich der Verlag für die Umstellung auf ein vereinheitlichtes Layout über die Titel hinweg.

Vier gleichzeitige Systemwechsel in einem Big-Bang-Szenario sind der Härtetest für jede Produktionssteuerung – und genau hier zahlt sich die Schnittstellenebene aus: Weil Anzeigensystem, Redaktionssystem und Druckerei über standardisierte, bidirektionale Anbindungen an derselben Planungsstruktur arbeiten, musste nicht jede Verbindung neu erfunden werden. Im Januar folgt der dritte Meilenstein, mit dem auch die Ulmer Produkte auf TOPAS umziehen.

Fazit: Plattform statt Projektlösung
TOPAS ist weniger ein einzelnes Produkt als ein Rahmen, in dem Printproduktion planbar wird: ein gemeinsames Datenmodell für alle Beteiligten, Module, die sich einzeln einführen lassen, eine breite Schnittstellenebene auf Basis etablierter Standards und Betriebsmodelle vom Eigenbetrieb bis zum Managed Service. Für Verlage heißt das vor allem, dass sie ihre gewachsene Systemlandschaft nicht ersetzen müssen, um sie zu beherrschen.

In den kommenden Beiträgen gehen wir auf OPAL als eigenständige Asset-Management-Lösung und auf TOPAS OM im Zeitungsdruck ein, bevor ab Januar die einzelnen TOPAS-Module im Detail folgen.

Häufige Fragen zu TOPAS
Was ist TOPAS?

TOPAS ist eine modulare Softwareplattform von MSH Medien System Haus für die Produktionssteuerung in der Zeitungs- und Magazinproduktion. Sie verbindet Redaktion, Anzeigenabteilung, Druckvorstufe und Druckerei über ein gemeinsames Planungsmodell und besteht aus den Modulen Tracking, Output Management, Planning, Ad Management und Specials.

Welche Systeme lassen sich an TOPAS anbinden?
TOPAS bringt rund 30 dokumentierte Schnittstellen mit. Dazu zählen Redaktionssysteme wie WoodWing, InterRed, Eidos Méthode und Aptoma Dr.Edition, Anzeigensysteme über die OASE-Schnittstelle sowie SAP IS-M/AM, Produktionsleitsysteme von MANROLAND, ABB, KBA und EAE sowie Hotfolder- und REST-Anbindungen für Preflight, Ausgabedaten und Sonderthemen.

Lassen sich die TOPAS-Module einzeln einführen?
Ja. Die fünf Module können einzeln oder im Verbund eingesetzt werden. Verlage starten häufig mit Planning und Tracking und erweitern den Funktionsumfang anschließend schrittweise.

Wie lange dauert eine TOPAS-Einführung?
Das hängt von Umfang und Systemlandschaft ab. Bei der Neuen Pressegesellschaft lagen zwischen Projekt-Kickoff und erstem Go-live fünf Monate; die weitere Einführung erfolgt in aufeinander aufbauenden Meilensteinen.

Wie wird TOPAS betrieben?
Der Betrieb ist On-Premises, als SaaS oder im MSH-Rechenzentrum möglich. Der Applikationsbetrieb reicht vom Eigenbetrieb bis zum Full-Managed-Service durch MSH, inklusive Monitoring über Metriken, Prometheus und Grafana sowie einer JMX-Management-Konsole für Eingriffe im laufenden Betrieb.

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