Next Level für Medienhäuser

Der Weg zur modularen SAP-Zukunft

Seit geraumer Zeit setzen wir uns intensiv mit der Frage auseinander, wie wir unsere Zukunft nachhaltig und erfolgreich gestalten können. Bereits vor einigen Jahren haben wir dafür unsere Portikus-Strategie ins Leben gerufen – ein Architekturkonzept, das wir seither kontinuierlich weiterentwickelt, verfeinert und mit konkreten Inhalten sowie praxisnahen Bausteinen angereichert haben.

Dabei ist eines klar geworden: Starre, monolithische Systemlandschaften gehören der Vergangenheit an. An ihre Stelle tritt eine flexible Architektur mit modularen Bausteinen, die sich besser an sich wandelnde Anforderungen anpassen lassen.

Seit Anfang 2024 informieren wir daher regelmäßig auf unterschiedlichen Kanälen über unsere Fortschritte – darunter Foren, Webinare, persönliche Treffen, Blogs sowie individuelle Gespräche. Wir geben Einblicke in laufende Proof of Concepts, berichten transparent über unsere Erkenntnisse und zeigen auf, welche Lösungen bereits erfolgreich gemeinsam mit unseren Kunden in konkreten Projekten umgesetzt werden konnten.

Werfen wir nun noch einmal einen strukturierten Blick auf die einzelnen Schritte einer solchen Transformation: Ein wesentlicher Ausgangspunkt ist die Entkopplung von IS-Media vom klassischen SAP Standard, also von Modulen wie FI, CO, MM und SD. Diesen Ansatz bezeichnen wir in unseren Konzepten als Side-by-Side-Lösung. Ziel ist es, bestehende Abhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig mehr Flexibilität für zukünftige Entwicklungen zu schaffen. Das Resultat ist eine Co-Existenz von SAP Standard Produkten und der stark individualisierten IS-Media Umgebung.

Darauf aufbauend folgt die Phase „Disassemble“. In diesem Schritt wird innerhalb des SAP IS-Media M/SD-Moduls eine klare Trennung zwischen Lesermarkt und Logistik vorgenommen. Diese Entflechtung kann dabei sowohl vor als auch nach der Side-by-Side-Trennung erfolgen – je nach individueller Ausgangssituation und strategischer Priorisierung.

Den abschließenden und zugleich zukunftsweisenden Schritt bildet die Phase „Innovate“. Damit eröffnet sich die Möglichkeit, das klassische M/SD-System – insbesondere im Bereich Abo-Management – durch eine moderne, frei wählbare Order Engine zu ersetzen. Diese übernimmt die Verwaltung von Print- und Digital-Abonnements und schafft die Grundlage für innovative Geschäftsmodelle sowie eine deutlich höhere Agilität im Markt.

Es ist auch denkbar, unterschiedliche Order Engines für Print und Digital zu nutzen. Abhängig von der gewählten Print Strategie könnte es auch interessant sein, über einen Weiterbetrieb der IS-Media-Lösung nachzudenken. Wir im MSH verfolgen diesen Ansatz mit mehreren Kunden.

Soweit die Theorie – was zeigt die Praxis?
MSH hat in den letzten Monaten unterschiedliche Kundenprojekte zu diesem Thema umgesetzt, über zwei davon wollen wir nun auch berichten:

  1. MSH SideBySide mit der Mediengruppe Pressedruck
  2. Phase Disassemble mit der FUNKE Mediengruppe
Vom Monolithen zum flexiblen System der Zukunft


SideBySide: Wir verbinden Welten

Mit unserer Integrationslösung ermöglichen wir Medienhäusern den Schritt zu einer modularen, zukunftssicheren SAP-Architektur, in der bewährte Systeme und moderne Cloud-Lösungen nahtlos zusammenarbeiten.

Das Prinzip: Bestehende IS-Media-Landschaften bleiben stabil im Einsatz, während SAP-Standardprozesse bereits auf S/4HANA modernisiert werden können.

Seit dem 8. März 2026 ist die Mediengruppe Pressedruck mit der Umstellung ihres SAP-Standards von R/3 auf die S/4HANA Private Cloud erfolgreich produktiv.

Dabei wurde die komplette SAP-Standardumgebung (FI/CO/MM/SD) auf die S/4HANA Private Cloud migriert. Gleichzeitig bleibt die bestehende SAP ECC R/3-Landschaft mit IS-Media im Einsatz und unterstützt weiterhin die Kernprozesse im Werbe- und Lesermarkt sowie in der Logistik.

Der Schlüssel zum Erfolg: Eine leistungsfähige Integrationsarchitektur.

Unser Beitrag war die Anbindung der weiterhin bestehenden SAP IS-Media R/3-Lösung an S/4HANA über eine ALE-Schnittstelle: Über IDoc-basierte Schnittstellen werden zentrale Stammdaten wie Geschäftspartner und Mandate sowie relevante Buchhaltungsbelege automatisiert und zuverlässig zwischen den Systemen synchronisiert bzw. übertragen.

Die Umsetzungsphase startete im Mai 2025. Auch für unser Team bedeutete das neue Herausforderungen: Während Integrationen zu klassischen SAP R/3-FI-Systemen bereits mehrfach umgesetzt wurden, stellte die Anbindung an eine S/4HANA-Umgebung eine neue Dimension dar.


Gemeinsam mit unserem Partner adesso SE, der die Migration für den SAP Standard in die neue S/4HANA-Welt umgesetzt hat, wurde über mehrere Monate hinweg intensiv getestet, optimiert und abgestimmt – mit einem klaren Ergebnis:

✅ S/4HANA Private Cloud für alle SAP-Standardmodule (FI/CO/MM/SD)
✅ IS-Media weiterhin im Einsatz für Werbe- und Lesermarkt sowie Logistik

Eine stabile, performante und zukunftssichere Integra-tion zweier SAP-Systemwelten, ein starkes Ergebnis und ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung der Systemlandschaften von Medienhäusern.

Nach dem Motto Modularisierung statt Systembruch ist mit diesem Projekt der erste Schritt zur Modularisierung der SAP-Systemlandschaft im Verlagsumfeld erfolgreich umgesetzt.

Die bewährten ALE-Frameworks ermöglichen eine nahtlose Synchronisation verteilter SAP-Systeme, ohne aufwendige Komplettintegration oder risikoreiche Big-Bang-Migrationen.

Der Vorteil für Medienhäuser:

  • Maximale Datenkonsistenz
  • Minimale Integrationskomplexität
  • Schrittweise Modernisierung der Systemlandschaft 

Ein Ansatz, der sich ideal für dynamische SAP-Transformationsprojekte eignet.

Ein zentrales Thema vieler Transformationsprojekte ist die Frage nach der Public Cloud-Fähigkeit.

Im Rahmen eines Proof of Concept konnten wir zeigen, dass unsere SideBySide-Lösung auch hier funktioniert:

Dabei wurde folgender Prozess erfolgreich umgesetzt:

  1. Auftragserfassung im R/3 IS-Media-System
  2. Fakturierung im R/3-System
  3. Automatische Überleitung des Buchungsbelegs in die S/4HANA Public Cloud

Damit steht fest:
Unsere Integrationslösung funktioniert unabhängig davon, ob das Zielsystem eine S/4HANA Private oder Public Cloud ist.

Der erste Schritt in eine modulare Zukunft: Mit dem erfolgreichen Go-Live bei der Mediengruppe Pressedruck ist der erste Schritt der Modularisierung erfolgreich abgeschlossen.

Die geschaffene Architektur eröffnet nun neue Möglichkeiten für weitere Modernisierungsschritte – von der schrittweisen Entkopplung einzelner Module bis hin zur vollständigen Transformation der Systemlandschaft.

Die Integrationslösung funktioniert unabhängig davon, ob das Zielsystem eine S/4HANA Private oder Public Cloud ist.


Phase Disassemble: Wir trennen Welten

Ein weiterer zentraler Einstiegspunkt in die Transformation ist die gezielte Aufspaltung des bisherigen SAP M/SD-Systems in zwei klar voneinander abgegrenzte, eigenständige Bereiche: Zum einen ein dediziertes Logistiksystem, zum anderen ein modernes Abo-Management-System für Print- und Digital-Abonnements – das im ersten Schritt ein „reduziertes“ M/SD sein kann. Dieser Schritt markiert die sogenannte „Disassemble“-Phase und schafft die Grundlage für mehr Flexibilität, Skalierbarkeit und Zukunftsfähigkeit.

Die FUNKE Mediengruppe hat sich in diesem Kontext bewusst dafür entschieden, ihre Logistik grundlegend zu erneuern und strukturell neu auszurichten. Ein wesentlicher Baustein dieser Transformation ist die MSH NewsLogistics, die genau die Aufgabe übernimmt, die benötigten FERAG-Strings effizient und zielgerichtet zu erzeugen. Über diese Entwicklung haben wir bereits in mehreren Webinaren berichtet – unter anderem im Jahr 2024, als wir gemeinsam einen Proof of Concept zur Dynamisierung von Zustellgängen vorgestellt haben. Ziel war es dabei, auf Basis täglich optimierter Gangfolgen flexibel auf die rückläufigen Print-Auflagen der kommenden Jahre zu reagieren und die Zustelllogistik entsprechend anzupassen.

Das Gesamtprojekt Modularisierung Logistik ist in mehrere aufeinander aufbauende Stufen gegliedert, von denen die ersten bereits erfolgreich produktiv gesetzt werden konnten. Mit der nun anstehenden Phase rückt die Anbindung an die MSH NewsLogistics in den Fokus.

Die Produktentwicklung hat inzwischen einen Reifegrad erreicht, der es ermöglicht, dass die beteiligten Systeme ihre Daten API-gesteuert austauschen können. Die gesamte Systemkommunikation wird dabei über eine Middleware orchestriert, die für einen stabilen, skalierbaren und transparenten Datenaustausch sorgt.

Mit großer Spannung und Vorfreude blicken wir auf die kommenden Wochen, in denen die Systeme erstmals miteinander gekoppelt werden. Nach einer erfolgreichen Testphase ist ein Parallelbetrieb vorgesehen, um einen reibungslosen Übergang sicherzustellen. Im Anschluss daran erfolgt schrittweise die Anbindung der einzelnen Druckereien / Werke an die „Versandmaschine“.

Es stehen also ereignisreiche und spannende Wochen bevor – und wir freuen uns sehr darauf, diesen Weg gemeinsam mit dem gesamten Projektteam von FUNKE Mediengruppe weiterzugehen!

Aufspaltung des bisherigen SAP M/SD-Systems in zwei klar voneinander abgegrenzte, eigenständige Bereiche.


Green-Field versus Brownfield Ansatz
Im Kontext der Transformation stellt sich häufig die grundlegende Frage nach dem richtigen Vorgehensmodell: Greenfield- oder Brownfield-Ansatz. Beide Strategien bieten spezifische Vorteile und eröffnen unterschiedliche Wege, die MSH NewsLogistics erfolgreich zu implementieren.

Die Basis der MSH NewsLogistics bildet ein SAP IS-Media-System. Das bedeutet, dass grundsätzlich auch ein bereits bestehendes System eines Verlags weiterverwendet und gezielt auf die MSH NewsLogistics -Funktionalitäten hin umgebaut werden kann – ein klassischer Brownfield-Ansatz. Dieser Weg überzeugt insbesondere durch seine Nähe zum Bestehenden: Die Integration in die vorhandene Systemlandschaft gestaltet sich vergleichsweise einfach, bestehende Schnittstellen können in weiten Teilen unverändert weitergenutzt werden, und etablierte Prozesse bleiben erhalten. Dadurch reduziert sich nicht nur der Implementierungsaufwand, sondern auch das Risiko im laufenden Betrieb.

Dem gegenüber steht der Greenfield-Ansatz, der bewusst auf einen Neustart setzt. Hier wird die Systemlandschaft von Grund auf neu gedacht und aufgebaut – ohne Rücksicht auf historisch gewachsene Strukturen.

Der große Vorteil dieses Vorgehens liegt in der Möglichkeit, Altlasten konsequent hinter sich zu lassen und stattdessen auf schlanke, standardisierte und zukunftsorientierte Lösungen zu setzen. Prozesse können neu gestaltet, harmonisiert und optimal auf die Anforderungen einer modernen, modularen Architektur ausgerichtet werden.

Letztlich ist die Entscheidung zwischen Greenfield und Brownfield keine rein technische, sondern eine strategische: Während der Brownfield-Ansatz Stabilität und Kontinuität bietet, eröffnet der Greenfield-Ansatz maximale Freiheit für Innovation und Neuausrichtung.

Welche Option die richtige ist, hängt maßgeblich von den individuellen Rahmenbedingungen, Zielbildern und Transformationszielen des jeweiligen Unternehmens ab.

Ob Welten verbinden oder trennen:
Die Zukunft der SAP-Landschaften in der Verlagswelt liegt eindeutig in modularen, flexibel kombinierbaren Strukturen.

Starre Systemgrenzen weichen zunehmend intelligent orchestrierten Architekturen, in denen spezialisierte Komponenten nahtlos ineinandergreifen und gemeinsam ein leistungsfähiges Gesamtsystem bilden.

Unser Anspruch ist es dabei, genau diese Brücke zu schlagen: Wir sorgen dafür, dass bewährte Bestandssysteme und innovative Technologien nicht nur koexistieren, sondern optimal miteinander harmonieren – effizient, skalierbar und zukunftssicher.

Wir unterstützen Sie gerne dabei, auf Basis dieser Erkenntnisse die passende Strategie zu entwickeln – praxisnah in individuellen Workshops. Melden Sie sich gerne bei susanne.ray@msh.de.

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